11. SONNTAG im Jahreskreis

Evangelium nach Matthäus (9,36-10,8):

 

Wie geht es da zu in unserer Welt? Kriege, Zerstörungen, Machtkämpfe, Hunger, Flucht, Armut, Einsamkeit, Hoffnungs-losigkeit... Und dazu kommen belastende persönliche Schicksals-schläge, Krankheiten und so weiter. Und was streben viele Menschen in unserer Gesellschaft an, was wollen sie erreichen? Macht, Ansehen, Besitz, Genuss und Spass ?... Sind sie zufrieden oder sind sie durch innere Unruhe getrieben? Menschen, die müde, erschöpft sind, gestresst und gehetzt, oft keine Zukunftsperspektive haben, orientierungslos sind. Passt da nicht dieser Satz aus dem Evangelium: „Als Jesus die vielen Menschen sah, ergriff ihn das Mitleid, denn sie waren so hilflos und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben“?

Ja, natürlich, es gibt in unserer Gesellschaft viele Stimmen, die uns sagen wollen, was wir tun, wie wir leben sollen, damit es uns gut geht. Denken wir an die uns tagtäglich überflutende Werbung. Können wir ihnen unser Vertrauen schenken? Meinen sie es wirklich gut mit uns? Oder geht es ihnen nur um ihre eigenen Interessen und Vorteile?

 

Andererseits: Bin ich wirklich fähig, auf mich allein gestellt, zu entdecken und zu entscheiden was ich tun soll, damit mein Leben halbwegs gelingen kann? Und was heißt dann „gelingen“? Was ist das Leben? Wozu lebe ich?“ Ein Wissenschaftler hat einmal gesagt: „Wir wissen, was wir können. Aber wir wissen nicht mehr, was wir sollen!“

 

Da sagt Jesus in seiner Bergpredigt : „Glücklich, ihr Armen, Kranken, Trauernden, Hungernden, Dürstenden, Verfolgten, Auf-die-Seite-Geschobenen, Wehrlosen... denn ihr seid wertvoll, weil ihr von Gott geliebt seid. Ihr seid Söhne und Töchter von Gott, auch wenn Menschen euch links liegen lassen, euch übergehen und vergessen.“ Es ist bekannt, dass am Anfang des Christentums gerade solche Menschen zu Christen wurden. Gerade sie fühlten sich von diesem Gott-der-Hoffnung angesprochen. 'Jetzt wird Gott seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden!', sagt Jesus. Er ist es, der euch Orientierung und Halt in eurem Leben geben kann. Was ist euer Leben ohne ihn? Was ist mein Leben ohne Gott?

 

Jesus hat Menschen um sich gesammelt. Sie haben gesehen und erfahren, wie er gelebt, gesprochen und gehandelt hat. Und er lädt sie ein, seine Lebensweise zu übernehmen. Es waren keine besonders begabten Leute, keine hochgebildeten, sondern Menschen, die mitten im Leben standen, hart arbeiten mussten: Fischer, Arbeiter. Menschen auch mit total verschiedenen Charakteren. Da war ein Petrus, der oft ein großes Mundwerk hatte, aber als es darauf ankam, als es gefährlich wurde, einfach sagte: „Ich kenne diesen Mann nicht.“ Sogar einer von diesen gehassten Zollbeamten, Matthäus, gehörte zu seinen Anhängern. Auch ein Simon, der zu einer damaligen Untergrundbewegung, den Zeloten, gehört hatte. Und ein Judas, der Jesus schließlich ausliefern wird.

 

Solche Menschen hat Jesus eingeladen, sich in seinen Dienst zu stellen. Gerade diesen Menschen sagt Jesus, sie sollen zu den Menschen über Gott reden. Und all dies ohne Vergütung, ohne dafür bezahlt zu werden: „Umsonst habt ihr alles bekommen, umsonst sollt ihr es weitergeben.“ 

 

Gott wirkt in und durch Menschen, wo sie so leben, wie Jesus: mit seiner Lebens- und Glaubenseinstellung. „Böse Geister austreiben und Krankheiten und Leiden heilen“ heißt es in der biblischen Sprache. In unserer heutigen Sprache heißt das: Gegen alle negativen Kräfte ankämpfen, gegen alles was Menschen und auch uns selbst schädigen kann. Das kann unser Glaube an Gott, unser Vertrauen zu ihm, bewirken. So verwirklicht Gott sein Reich in dieser Welt, so wird seine wohltuende Wirkung und Einfluss spürbar. Als Christen stehen wir in seinem Dienst, sind wir seine Mitarbeiter. Wenn wir versuchen so zu leben, sind wir nicht mehr die hilflosen und erschöpften Schafe, die keinen Hirten haben.

 

Zum Archiv